Donnerstag, 5. Juli 2018

Die Geisterakten - Unterhaltungsserie oder mehr?


In Anlehnung an die vielen Anfragen von Interessierten aus der paranormalen Community die mich in Bezug auf diese Serie "Die Geisterakten", die bei YouTube bzw. auch Amazonprime läuft, erreichen, habe ich mir überlegt, dass ich hierzu öffentlich meine Meinung schreibe. Auch in Kenntnis dessen, dass sie so manchem sicherlich nicht "zusagt", aber es ist meine persönliche Meinung und es tut mir leid, aber ich verkaufe  keine Märchen oder Wunschvorstellungen.

Ich wurde bzgl. meiner nachstehenden Meinung, die ich schon öfters mal in ähnlichen Worten geschrieben habe, schon zuhauf beleidigt, beschimpft und angegangen (auch telefonisch); auch kam der Vorwurf des Neides oder Missgunst, was an sich vollkommen unsinnig ist, da es mir grundsätzlich egal ist, wie erfolglich ein Format / Team ist, wie viele Abos und Views es hat usw. 

Bevor man sich aber nun meinen nachstehenden Zeilen widmet, empfehle ich zunächst diesen Artikel von mir zu lesen: (Link) Das Ghosthunting der Geisterjäger...

Dass die Wörter "Seriösität" und "Ehrlichkeit" oftmals leider auf der Strecke bleiben,erkennt man zB anhand der Geisterjäger-Show "Die Geisterakten" - ein reines Unterhaltungsformat, welches von einer Werbeagentur vor ein paar Jahren gegründet wurde, um es als neues TV-Format (Produkt) am TV-Markt zu platzieren. Dabei wurde von Anfang an den Zuschauern suggeriert, dass es sich bei den Protagonisten um (selbsternannte und -betitelte) Spezialisten (gleichbedeutend mit Experten) für Paranormales handelt. Werbetechnisch gesehen ein kluger Schachzug, denn so wird bereits eine "unbedingte Glaubwürdigkeit" bei den Zuschauern etabliert, denn wenn etwas ungewöhnliches auftritt und dieses als paranormal dann hingestellt wird, man diesen Spezialisten ja auf jeden Fall glauben muss. So werden auch geringste Zweifel "weggewischt".

Vielfach handelt es sich bei den Zuschauern auch um Menschen, die schon selber für sich auch
Unerklärliches erlebt haben und sehen dann ihre eigenen Erlebnisse damit bestätigt. Man trifft damit auch den "Nerv" der Menschen, die selber schon ihre Erlebnisse hatten und "was im TV läuft, muss ja echt sein". Nur kann man aber das eine mit dem anderen nicht vergleichen und ich glaube eher den Menschen ihre paranormalen Erlebnisse, als einer Unterhaltungssendung - denn die Quote bzw. Aufrufe / Views spielen da ja auch eine Rolle. Schließlich will man ja "Grusel" verkaufen....

Leider ist es so, dass durch derartige Unterhaltungsserien, die lediglich einer Profilierung und Selbstdarstellung dienen, ein falsches Bild vermittelt wird und auch teils mittelaterliche Vorstellungen weiterhin bedient werden bzw. auch Klischees, die eher aus Hollywooddrehbüchern stammen und der Vernunft jegliche Türen verschließen. Denn vieles wird in dem Format  (wie auch manch anderen, zB Ghost Adventures) den Zuschauern suggeriert (ob mit Vorsatz oder fahrlässig, sei einmal dahingestellt) und so die objektive Meinungsbildung manipuliert - so dass die Objektivität abhanden kommt und eine eindimensionale Betrachtungsweise Einzug hält.

Und da eben auch das Know-How der Werbefirma dahintersteckt, weiss man auch die Kniffe, wie man den Zuschauern etwas darbietet, um es als Paranormal hinzustellen, es selber aber so nicht benennt. Dazu kommt noch die mittlerweile eingebaute Dramaturgie... es muss sich ja weiter steigern - ähnlich wie bei "Dear David"

Auch die eingesetzten Gerätschaften sind mehr als fragwürdig, da diese vielfach auf Datenbanken zurückgreifen, wie ich u.a. in ein paar Episoden meines YouTube-Channels schon erklärt habe. Die Datenbanken verfügen über englische Wortschätze aus der paranormalen Thematik und wenn man dann meint, da etwas deutsches zu hören, darf man den Agathe-Bauer-Effekt nicht außer Acht lassen, wo aus ähnlich klingenden Aussagen auf englisch man etwas auf deutsch dann versteht. Auch die Erwartungshaltung kann zu Wahrnehmungstäuschungen führen, da man eben bestimmte Antworten ja auch erwartet und somit nicht objektiv sein kann.
So erklären sich auch die zigfachen "Geisterantworten", wodurch so manche harmlose Location zu einem Hotspot erklärt wird ....
Und nur weil derartige Gerätschaften (Apps, Portal, Ovilus) durch amerikansiche Serien beworben, gehypt und als "Wundermittel" zur Geisterkommunikation stilisiert wurden - ist dies kein Beweis für die perfekte Tauglichkeit. Aber wie so oft: "Was im TV läuft muss ja echt sein".

Aber um jeglichen Zweifel auszuschließen werden seitens des Geisterakten Teams für den Zuschauer jene Aussagen aus dem Portal eingeblendet, die man da hören soll... wie war das noch mit der Suggestion?- so ähnlich arbeitet ja auch das Format "Behind You".

Sicherlich kann man sie sich anschauen, da es gut geschnitten und gefilmt ist, aber mehr als Unterhaltung ist es eben nicht. Ich will auch keinem seine Show oder Unterhaltung nehmen, bei weitem nicht, aber ich halte persönlich von solchen Pseudo-Spezialisten, die einen auf Ghosthunter machen nicht sehr viel, wenn sie eben dabei behaupten (lassen), dass sie "Spezialisten" sind. Denn im Übrigen sollten "Spezialisten" ja mitunter auch keinen Hausfriedensbruch begehen oder Genehmigungen unter Angabe von falschen Gründen sich erschwindeln. Derartiges Verhalten bringt auch andere Teams mit in Verruf und mit Seriösität hat dies nichts mehr zu tun. Aber da sich die "Spezialisten" solche Fehltritte erlauben, wird es in der Anhängerschaft schon als notwendig und normal angesehen (zB Hausfriedensbruch "Heimschule am Laacher See") - auch wenn man es nicht glauben mag, auch als Ghosthunter / Geisterjäger / Paranormale Ermittler, der/die Unterhaltungsserien produzieren hat man eine gewisse Vorbildfunktion und gesellschaftliche Verantwortung. Erstaunlich finde ich in dem Zusammenhang, dass wenn andere Geisterjäger-Formate sich derartiges leisten, geht ein Aufschrei durch die (Ghosthunter-)Community.... da sollte man schon ehrlich sein und nicht mit zweierlei Maß messen. Aber dies würde an dieser Stelle zu weit führen und fernab von dem eigenem Thema - werde ich aber sicherlich in einem späteren Artikel mal separat behandeln.

Schade ist nur, dass ein vollkommen falsches Bild vom Ghosthunting vermittelt wird (Absicht?) und Stimmen werden laut, dass wenn man nicht wie die Geisterakten arbeitet, man kein Ghosthunter / Geisterjäger ist und auch nicht seriös ist (öhm....) ... da kommen Erinnerungen an den Film "Die Welle" auf.... und es ist schon erstaunlich bzw. sogar erschreckend, wie leichtgläubig manche sind und die Objektivität so abhanden kommt. Nur mal als Beispiel bzgl. der Manipulation und der Leichtgläubigkeit, so gibt es im Bereich der Verschwörungstheorien ja genug Negativ-Beispiele, zB Chemtrails, Rheichsbürgertum, Reptiloiden, Flat Earth usw. - auch da wird gern mit dem Wort "Spezialisten" gearbeitet, die uns weis machen wollen, dass wir "besprüht" werden und auf einer Erdscheibe leben. Was offensichtlich viele gar nicht so realisieren ist, dass Sprache ein mächtiges Instrument sein kann, nein, nicht kann, sondern ist. Nun aber zurück, zum eigentlichen Thema
 
Auch scheinen manche Zuschauer nicht zwischen Doku-Video und Unterhaltung zu unterscheiden (das Format scheint aber auch dieses Ziel zu haben)... was man aber schon machen sollte, da gerne beides in einen Topf geworfen wird und dann die Maßstäbe der Unterhaltungsserien auf Doku-Serien Anwendung findet und natürlich wird es dann bei den Doku-Serien keinen Spannungsbogen u.a geben. Hier ist aber der Zuschauer gefragt - und ja, es tut mir leid, aber Supernatural ist ebenfalls keine authentische Serie.

Die Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit weichen der Manipulation, Fehlinterpretationen und regelrechten Fake-News bzw. der Fake-Seriösität. Ich persönlich stehe beim Ghosthunting eher für eine authentische und ehrliche Darstellung und Vorgehensweise - gerade auch, weil Klienten sich ehrliche Antworten erhoffen und Aufklärung (egal in welche Richtung, ob paranormal oder rational erklärbar). Dafür stehe ich schon seit vielen Jahren ein und ich erwarte und verlange auch nicht, dass jeder meine Meinung oder Ansichten teilt bzw. sie "beherzigt". 

Aber wie schon geschrieben, anschauen kann man sich sicherlich diese Serie, da man schon sieht, dass da professionell gefilmt wird und sie auch vom Schnitt was verstehen; zudem der Spannungsbogen gut aufrecht erhalten wird. Auch so vom Ablauf her, nicht schlecht. Für eine Abendunterhaltung ideal. Da bin ich schon ehrlich, auch dass ich das Konzept und Aufbau der Folgen nicht schlecht finde... aber die angesprochenen Makel gefallen mir nicht und alles in allem wird ein Bild vom Ghosthunting etabliert, was eher in Richtung Selbstdarstellung und Ausblendung jeder Vernunft u.a. in Bezug auf eingesetzte Gerätschaften hinausläuft (noch schlimmer ist es da bei ParaInk). Damit erfüllt man das klischeehafte Bild, welches so mancher in der Gesellschaft von Ghosthuntern hat.... und Skeptiker freuen sich.

Wirklich gute und ehrliche Formate sind da eher "Haunting Australia" bzw. "Ghost Hunters International" oder "TAPS/Ghost Hunters" (1. Staffel, die folgenden Staffeln unterlagen eher dem Zwang der Quotenerfüllung und Fakes kamen rein). Dabei handelt es sich zwar auch an sich um Unterhaltungsserien, aber sie sind weitaus seriöser und glaubhafter gestaltet.

Leider vergessen aber viele, dass wir es in der paranormalen Community in erster Linie mit lebenden Menschen zu tun haben...und da sollte man auch ehrlich in der Außendarstellung sein....

Euer Tom

Nachschub zur Klarstellung vom 16.07.2018 (LINK)

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